Entstehung und Entwicklung der Tanzmariechen-Tradition


Die Figur des Tanzmariechens ist eine zentrale und traditionelle Erscheinung im  Karneval. Ihre Entstehung ist eng mit der Geschichte der Karnevalsgarden und der Persiflage des Militärs verbunden.

 

Ursprung: Die Marketenderinnen

    • Historisch geht die Figur auf die Marketenderinnen zurück, Frauen, die im 17. und 18. Jahrhundert, besonders während des Dreißigjährigen Krieges, mit den Soldaten zogen und diese mit Waren, Speisen und Dienstleistungen versorgten.

    • Ihre typische, oft an die Oberbekleidung von Uniformen des 18. Jahrhunderts angelehnte Kleidung (Dreispitz, Uniformjacke, Stiefel) spiegelt diese militärische Herkunft wider.

  • Anfänge im Karneval und die Persiflage

    • Im Karneval wurden ab dem 19. Jahrhundert Karnevalsgarden gegründet, um das preußische Militär auf humorvolle Weise zu parodieren.

    • Die Tanzfigur des Marketenderinnen- oder Funkenmariechens war ursprünglich männlich. Aus humoristischen und parodistischen Gründen tanzten Männer in Frauenkleidern die Rolle, was beim Publikum für Erheiterung sorgte (ähnlich der Figur der Jungfrau im Kölner Dreigestirn, die bis heute ein Mann ist).

  • Die erste "Mariechen-Einlage"

    • Ende des 19. Jahrhunderts (um 1890) entwickelte sich der "Funkentanz". Hier wurde erstmals eine "Mariechen-Einlage" vor dem eigentlichen Funkentanz der Gruppe eingefügt, getanzt von einem Mann.

  • Der Wandel zur weiblichen Tänzerin

    • Eine entscheidende Wende fand in den 1930er Jahren statt:

      • Unter dem Einfluss des Nationalsozialismus wurde die Darstellung des "Funkemariechens" durch Männer zunehmend politisch unerwünscht, da sie als "homosexuelle Anspielung" interpretiert werden konnte.

      • Dies führte dazu, dass die Rolle des Tanzmariechens allmählich von Frauen übernommen wurde. Erste weibliche Mariechen traten Mitte der 1930er Jahre auf.

      • Gleichzeitig wurde die Idee durch die Revuetänzerinnen der 1920er und 1930er Jahre beeinflusst, deren schwungvolle Auftritte mit "Girltruppen" aufgegriffen wurden.

  • Entwicklung zum modernen Gardetanz

    • Nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere ab den späten 1950er Jahren, begann sich der Tanzstil stark zu verändern.

    • Unter dem Einfluss von Ballettmeistern entwickelte sich der Gardetanz weg von den rein militärischen Marschelementen hin zu einem akrobatischen, athletischen Sporttanz mit Elementen aus dem klassischen Ballett (Sprüngen, Beinwürfen, Hebefiguren).

    • Seit Mitte der 1960er Jahre werden Gardetanzturniere veranstaltet, die den Sportcharakter des Tanzmariechen-Tanzes (heute auch Solomariechen genannt) weiter professionalisiert haben.

Heute sind Tanzmariechen Solotänzerinnen, die mit Disziplin, Präzision und anspruchsvoller Akrobatik das Herzstück vieler Karnevalssitzungen und -vereine bilden.