Geschichte zum Tanzmariechen

Die Geschichte der Tanzmariechen reicht weit in die Vergangenheit zurück. Die Marketenderinnen, die die Landsknechte und Soldaten mit allerlei Waren und "Dienstleistungen" versorgten und auch für sie tanzten wurden allgemein die "Mariechen" gerufen.

Mariechen ist ein typisch kölscher Begriff. Er wurde zum Sammelbegriff für alle Mädchen, die Mitglied einer Tanzgruppe sind.

Wirkliche Mariechen sind allerdings nur die Tänzerinnen der Funken.

Die Garden haben eine Regimentstochter oder Marketenderin. Die Mariechen sind eine Persiflage auf die Marketenderinnen, die früher die Soldaten- und Söldnerheere begleiteten und ihnen Schnaps und Lebensmittel für den täglichen Bedarf verkauften.

Darum tragen die „Mariechen“ auch das Fässchen am Gürtel.

 

Die Entstehung der Korps und Mariechentänze und der Traum eines jeden kölschen Mädchens: Einmal Mariechen sein!

 
Tanzen ist ein Ausdruck der Freude und darum gehört das Tanzen auch seit eh und je zum Karneval.

Die Formen des Tanzens haben sich jedoch im Laufe der Zeit gewaltig verändert.

Zwischen dem anfänglichen "erdverbundenen" Tanz bis zum heutigen "fliegenden Mariechen" liegt viel Karnevalsgeschichte.

 

Bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts kannte man das Funkemariechen noch nicht. 
 

 

Heute ist "Mariechen" zu einem Sammelbegriff geworden. Landläufig wird jedes Mädchen, das als Hauptdarstellerin einer Karnevalstanzgruppe agiert "Mariechen" gerufen.

 

Streng genommen haben nur die Korpsgesellschaften ein Mariechen. Die Garden haben eine Regimentstochter.

 

Die anderen Tanzgruppen haben überwiegend für ihre Tänzerinnen zur Gruppe passende Bezeichnungen wie z.B. "Kathrinchen" bei den Kammerkätzchen und Kammerdienern der Alten Kölner K.G. Schnüsse Tring, "Dannälche" bei den Schifferjungen der Großen Mülheimer K.G. oder "Staubflöckchen" bei der K.G. Original Kölsche Domputzer.

 

Die Entwicklung vom Exerzieren über den Korpstanz zum heutigen Mariechentanz umfasst 170 Jahre Kölner Karneval. 1823 wurde der Karneval, dessen Niveau stark gesunken war, neu organisiert. Im gleichen Jahr traten die Roten Funken als Persiflage auf die ehemaligen Stadtsoldaten in den Karneval. Sie waren damals noch eine lose Gruppe, die sich nur traf, um den Maskenzug mitzumachen.

 
Das Mariechen hat seinen Ursprung in der Marketenderin, wie auch heute noch das "Mariechen" des Reiterkorps Jan von Werth heißt. Die Marketenderin geht zurück auf die Söldner- und Soldatenheere im 30 jährigen Krieg. Sie begleitete damals das Heer und versorgte die Soldaten mit Schnaps (daran erinnert das Fässchen, das die Mariechen Lind Regimentstöchter am Gürtel tragen) und anderen Kleinigkeiten, die sie zum täglichen Leben brauchten.

 
Zu der Persiflage auf die Stadtsoldaten im Kölner Karneval gesellte sich die Persiflage auf die Marketenderin. Vom Maskenzug 1824 wird uns berichtet, dass dem Anführer des Zuges eine Ehrengarde zu Fuß, bestehend aus den Roten Funken, folgte. Daran schloss sich ein berittener Marketen-der-Weiber-Chor an, der damals selbstverständlich von Männern dargestellt wurde.

 
Da die Funken anfangs noch nicht gesellschaftlich organisiert waren, gab es auch noch keinen Funkentanz. In den ersten 50 Jahren ihres Bestehens trafen sie sich nur zu Exerzierübungen, zur Vorbereitung auf den Rosenmontagszug. Erst 1869 wurde aus den Roten Funken eine Karnevalsgesellschaft und 1880 bildeten sie mit Wibbeln und Stippeföttchen einen Programmpunkt auf den eigenen Sitzungen. Die Funken folgten dabei keinen festgelegten Tanzschritten, sondern nur den eigenen Einfällen.

 
1870 traten die Blauen Funken in den Karneval. Sie hatten sich von den Roten Funken getrennt und bildeten nun ein berittenes Korps. Mit ihnen hielt ein patriotischer Trend Einzug in den Karneval. Zu dieser Zeit wurde in den Funkenliedern die Germania besungen, von einem Mariechen war noch keine Rede.
 

 

Ende des 19. Jahrhunderts entstand dann der Funkentanz der Roten Funken, der von einem Tanzlehrer eingeübt wurde. Der Tanzlehrer Friedrich Gosewisch, der eine eigene Tanzschule leitete, übte die Schritte und Bewegungen nach alten historischen Motiven ein. Der Tanz wurde am Rosenmontag auf dem Neumarkt erstmals öffentlich getanzt. Der Tanzlehrer ließ sein Töchterchen einige Takte vor der Gruppe tanzen.

 

Diese Idee wurde von den Funken aufgegriffen. Von da an ging dem allgemeinen Funkentanz meist ein kleiner "Mariechentanz" voraus. Man nannte es damals "Funkentanz mit Einlage". Diese Einlage, die von einem Mann in Frauenkleidern getanzt wurde, umfasste die ersten acht Takte des Funkentanzes. Da die Kleider des "Mariechens" bodenlang und schwer waren, waren die Tanzschritte zwangsläufig einfach und behutsam.

 

Ab 1901 stellten sich auch die Blauen Funken zum Funkentanz auf. Sie tanzten auf den Funkenmarsch, den der preußische Stabstrompeter Reinhold Fellenberg komponierte.
1929 stellte Christian Witt, der Präsident der Roten Funken, neue Figuren für den Mariechentanz, der bis dahin unverändert geblieben war, zusammen. 1932 wurde dann mit dem Lied "Marieche, Marieche, wo es dann dinge Jung" ein neuer Mariechentanz komponiert. Jetzt wurde dem männlichen Mariechen auch ein Tanzoffizier an die Seite gestellt.

 

Dieses Tanzpaar war Hans Honnef als Mariechen und Tanzoffizier Alois Erven. Erstes weibliches Mariechen der Roten Funken wurde 1936 Ada Pilgram.
Nun entstanden auch in den anderen Korpsgesellschaften Paartänze. 1936 gingen die Blauen Funken ebenfalls mit einem weiblichen Mariechen auf die Bühne, es war Anita Rix.
 

 

Die Ehrengarde, die 1902 gegründet wurde, war anfangs ausschließlich die Begleitgarde von Bauer und Jungfrau und wurde erst nach dem Ersten Weltkrieg zu einer Karnevalsgesellschaft. In dieser Zeit entstand auch das erste Tanzpaar der Ehrengarde, das 1926 mit Cläre Weiglein als Regimentstochter in den Karneval trat. Die Ehrengarde tanzte damals noch keinen Korpstanz. Bei ihr tanzten nur Mariechen und Tanzoffizier, während das Korps den Hintergrund bildete. Der Tanz, der, nicht zuletzt wegen des weiblichen Mariechens, allgemeines Aufsehen erregte, wurde von dem Ballettmeister Alexey Laiserowicz einstudiert.

 

Die Mariechenrolle wurde jedoch schnell wieder von einem Mann übernommen, bis sie 1938 endgültig auf eine Frau überging. Es war Wally König, die mit August Beilstein tanzte.
 

 

Die Prinzen-Garde trat 1906 als Begleitgarde des Prinzen in den Karneval. Selbstverständlich hatte auch sie ihren eigenen Marsch. Den Text dazu schrieb der Mitbegründer Fritz Tholfuß. Auf diesen Marsch wurde ein gemeinsamer Korpstanz einstudiert. Später kam eine Regimentstochter dazu, die von Fritz Tholfuß jun. verkörpert wurde.
Als eines der temperamentvollsten Mariechen der damaligen Zeit wird Jean Küster beschrieben, der 1930 Mitbegründer der Lyskircher Junge war. Jean Küster tanzte 1924 als erstes Mariechen bei den 1922 gegründeten Altstädtern. 1935 hatten die Altstädter erstmals ein weibliches Mariechen mit der Tochter des Kapellmeisters Velder.

 
Dass in den 30er Jahren Frauen die Mariechenrolle übernahmen, hatte noch nichts mit Emanzipation zu tun. Es geschah unter dem Druck der NSDAP, die darauf bestand, dass Frauenrollen im Kölner Karneval auch von Frauen dargestellt wurden.

Die Aktiven des Karnevals waren damals davon überzeugt, dass diese Rolle, die im Schwierigkeitsgrad weit von dem entfernt war, was ein Mariechen heute leistet, zu anstrengend wäre für eine Frau, und dass die Witze auf den Veranstaltungen nicht für Frauenohren geeignet wären.

Man hatte sich gewaltig getäuscht, die Frauen trugen weder physischen noch psychischen Schaden davon. Im Gegenteil, das Publikum war begeistert von den wirklichen Mariechen, denn sie tanzten mit Ausstrahlung und tänzerischem Können die Männer in den Hintergrund.

 

Die Präsidenten führten dann auch gleich eine Neuerung ein, sie "bützten" das Mariechen, und so wollte nach dem Zweiten Weltkrieg niemand mehr zu den alten Formen zurückkehren.
Die ersten Tänze mit weiblichen Mariechen waren gegen die heutigen Tänze noch recht gemütlich.

 

Eine entscheidende Änderung brachte gegen Ende der 50er Jahre der Ballettmeister Peter Schnitzler in die Tänze. Die Akrobatik eroberte die Karnevalsbühnen. Diese Entwicklung war nicht mehr zu bremsen. Ob die manchmal für den Zuschauer beängstigenden und halsbrecherisch anmutenden Figuren und Würfe, wie sie von manchen Tanzgruppen gezeigt werden, notwendig sind, ist nicht ganz unumstritten.
 

 

Die Korpsgesellschaften hatten bald die Grenzen ihrer Möglichkeiten erreicht, während die übrigen Tanzgruppen immer noch versuchen sich gegenseitig an Leistung zu überbieten.
Was in den Tanzkorps und Tanzgruppen heute aus Spaß an d'r Freud und Liebe zum Karneval geleistet wird, kann sich ein Außenstehender schwer vorstellen. Das ganze Jahr wird intensiv trainiert, oft zwei- bis dreimal pro Woche.

 

In der Session sind die Jungen und Mädchen jeden Abend unterwegs, tanzen am Wochenende oft auf sechs bis acht Veranstaltungen pro Abend. Das ertanzte Geld wird ausgegeben für Ballettlehrer, Musik, Kostüme und Busfahrten zu den Auftritten. Die Tanzkorps und Tanzgruppen sind noch wirkliche Idealisten auf der Karnevalsbühne."

Quelle:

Deutsches Fastnachtmuseum     zum Tanzmariechen